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11.06.2018
Obstgenuss ohne krumme Geschäfte

Neuer Fair-Trade-Workshop für Grundschulen im Klosterhof

Warum ist die Banane krumm? Wie kommt sie zu uns? Unter welchen Bedingungen wird sie angebaut? Antworten auf diese und weitere Fragen zum fairen Handel vermitteln die Bananologen in Herrenberg an Grundschulen, Kitas und interessierte Gruppen und Vereine. Dafür haben sie ein eigenes Workshop-Konzept erarbeitet.

„Bananologen“ klingt zwar etwas ungewohnt, ist aber ein einprägsamer Begriff, und deshalb haben die rund zehn Engagierten ihn als Namen gewählt. Die Expertengruppe ist aus den Aktivitäten um die Fairtrade-Stadt hervorgegangen. Seit 2015 darf sich Herrenberg mit diesem Label schmücken. Jetzt haben sich die Bananologen im Klosterhof getroffen und einen Workshop zum Thema fair gehandelte Bananen präsentiert. Diesen wollen sie in Bälde dritten und vierten Klassen anbieten. „Unsere Gruppe ist bundesweit einzigartig“, so die Bananologen. Den Aufbau der Initiative hat das Team Beteiligung und Engagement um Ina Mohr unterstützt.

Als eine Art Generalprobe für die Workshops erklärten Kathrin Thiele und die 14-jährige Amelie Steinhorst ihren Mitstreitern und Mitstreiterinnen, wo die Bananen wachsen. Dazu nutzen sie eine riesige Weltkarte auf dem Boden. Die Schüler und Schülerinnen erfahren im Powerpoint-Vortrag von den klimatischen Bedingungen, die Bananen benötigen, und dürfen auf der Karte den „Bananengürtel“ nachpuzzeln. Mit einem kleinen Holzschiff vollziehen sie spielerisch die Handelswege nach, die die Bananen zurücklegen. Zum Beispiel vom Hauptanbauland Ecuador nach Hamburg.

Thiele und Steinhorst schildern auch die Geschichte des Bananenhandels, der mit den ersten Kühlmöglichkeiten beginnt. Leider vertrieben dann die großen Firmen kleine Bauern von ihrem Land und stellten sie für viel geringere Löhne an. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Familien vergegenwärtigt Amelie Steinhorst, indem sie Altersgenossen aus Ecuador zu Wort kommen lässt. Bei einem Wettbewerb auf einem „Bananen-Parcours“ im Klassenraum können die Schülerinnen und Schüler die Mühsal der Plantagenarbeit erleben. Sie hieven zum Beispiel Säcke und bürsten in einer „Waschstraße“ mit Haube, Mundschutz und Handschuhen Bananen. Die Schutzmontur zeigt auf, dass die Arbeiter belastenden Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten ausgesetzt sind. Sie verkürzen das Leben, verschmutzen das Grundwasser und die Meere und lassen die Korallen und Seeanemonen absterben.

Bananen zu fairen Preisen
Aber es geht auch anders, wie die Bananologen zeigen: Nach Streiks und Protesten haben sich einige Bauern in Verbänden zusammengeschlossen und verkaufen die Bananen zu fairen Preisen an kleine Firmen. Indem sie die Stauden mit einem Saum von größeren Bäumen schützen und den Boden natürlich mit kleineren Pflanzen düngen, reduzieren sie die Chemie. Die fair gehandelten Bananen kann man an den Siegeln „BanaFair“ oder „Fair Trade“ erkennen. Dabei darf man aber nicht auf „Greenwash-Label“ hereinfallen.

Den Abschluss bildet ein unterhaltsames Quiz, wo natürlich auch die drängende Frage beantwortet wird, warum die Banane eigentlich krumm ist. Weil sie sich nach der Sonne ausrichtet, ist die korrekte Antwort. Die Bananologen haben schon mehrere Institutionen in der Stadt besucht, zum Beispiel Kindergärten – mit einem Koffertheater für die Kleinen und Infos für Erwachsene. „Die Kinder waren begeistert und haben sehr viel gelernt“, so Birgit Metzdorf und Thea Wolf. Ein Teil der Bananologen hat eine Ausbildung zum Bürgermentor für den Fairen Handel genossen, manche engagieren sich im Weltladen.  Die Fairtrade-Experten freuen sich übrigens auch über weitere Mitstreiter, am besten über Engagierte, die morgens in Schulen auftreten können. Sie treffen sich regelmäßig im Klosterhof.

Sie informieren übrigens auch über andere fair gehandelte Güter und referieren über die umweltschädigende Handyproduktion und bieten Workshops in Schulen, Kindergärten und Vereinen oder auf Veranstaltungen an. Anfragen an bananologen@gmx.de.