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05.12.2017
Stadt plant Umbau der Seestraße

Planungswettbewerb soll möglichst viele Lösungsvorschläge hervorbringen

Die Planung des Seeländerareals schreitet voran. Im Sommer 2018 soll der Spatenstich für den Seeländer-Neubau stattfinden. Parallel dazu muss der Umbau der Seestraße erfolgen. Ziel ist es dabei, die historische Altstadt und das Seeländer zu verbinden und den Verkehr auf der Seestraße zu reduzieren. Für die Gestaltung der Seestraße schlägt die Verwaltung vor, einen Planungswettbewerb durchzuführen, bei dem mehrere Büros Ideen und Vorschläge erarbeiten.

Die Seestraße ist ein wichtiges Bindeglied zwischen der historischen Altstadt und den neuen Entwicklungsflächen im Norden der Altstadt. Sie spielt bei der städtebaulichen Neuordnung dieses Gebiets eine entscheidende Rolle. Noch trennt die Bundesstraße, auf der täglich mehr als 18.000 Autos und Lastwagen fahren, das Seeländerareal von der Innenstadt. „Wir müssen einen attraktiven Übergang schaffen, um vom Seeländer in die Altstadt zu gelangen“, formuliert Oberbürgermeister Thomas Sprißler das klare Ziel. Fußgänger und Radfahrer müssten die Seestraße künftig sicher und bequem überqueren können und die Autofahrer das Signal bekommen, langsam zu fahren. Auch die Bereiche entlang der Seestraße sollten ansprechend umgestaltet werden.

Mit der Erschließung des Seeländerareals und dem Umbau der Seestraße hängen eine Reihe von verkehrsplanerischen und gestalterischen Fragen zusammen: Wie muss der Kreuzungsbereich an der Stadthallenstraße, die als Haupt-Erschließungsstraße fungiert, geregelt werden? Wie verläuft künftig die Zufahrt zum Parkhaus Nufringer Tor? Wie kann ein attraktiver Fußgängerüberweg im Bereich der Hirschgasse aussehen? Wie soll die Fläche vor der alten Stadtmauer künftig genutzt werden? Und wie kann der Küferplatz mit der Zufahrt zur Tiefgarage Bronntor aus seinem Schattendasein geholt werden? Auch der Umbau des Reinhold-Schick-Platzes rückt mit der beabsichtigten Verkehrsberuhigung in der Seestraße verstärkt in den Fokus der städtebaulichen Planung. Hier soll es in Zukunft mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger geben.

Möglichst große Vielfalt an Ideen
Die Planung hierzu muss aufgrund der zu erwarteten Kosten europaweit ausgeschrieben werden. Um möglichst viele Ideen und Vorschläge für dieses wichtige Projekt zu bekommen, schlagen die Stadtplaner vor, einen Wettbewerb auszuloben. Dieser soll zwei Teile haben: einen Ideen- und einen Realisierungsteil.

Im Realisierungsteil steht der Umbau der Seestraße im Mittelpunkt. Der erste Preisträger soll im Nachgang zum Wettbewerb den Auftrag zur weiteren Planung der Seestraße zwischen dem Küferplatz und der Stadthalle erhalten. Darin integriert sind auch die Erschließung des Bauvorhabens auf dem Areal Seeländer mit der Neugestaltung der Stadthallenstraße und die Verknüpfungsbereiche zur Altstadt am Bronntor und an der Hirschgasse. Der Ideenteil befasst sich mit der künftigen Gestaltung des Reinhold-Schick-Platzes. Hier sind die künftige Verkehrsführung für den motorisierten Verkehr und die Stärkung der Fußgängerachse zwischen dem Bahnhof und der Altstadt die bestimmenden Themen. „Um einen konkreten Umbau geht es momentan zwar lediglich bei der Seestraße und beim Areal Seeländer, aber auch wenn die Umgestaltung des Reinhold-Schick-Platzes erst in einigen Jahren ansteht, sollten wir diesen Bereich jetzt schon mit bedenken“, so Baubürgermeister Tobias Meigel. „Schließlich ist er nicht nur der zentrale Verkehrsknotenpunkt für alle Verkehrsteilnehmer, sondern bildet am unteren Ende der Bronngasse vom Bahnhof kommend einen der wichtigsten Eingänge zu unserer Altstadt.“

Die STEG Stadtentwicklung GmbH aus Stuttgart soll beauftragt werden, einen sogenannten nicht-offenen Planungswettbewerb durchzuführen. „Wir halten einen Wettbewerb für sinnvoll, der uns eine möglichst große Vielfalt an Lösungen für die Gestaltung der Seestraße bis hin zum Reinhold-Schick-Platz liefert“, erklärt Meigel. „Außerdem können wir mit diesem Verfahren bis zu drei Büros bereits im Vorfeld auswählen.“ Bei dem Wettbewerb erarbeiten etwa zehn Büros Vorschläge. Die Architekturbüros werden zum Teil ausgewählt, zum Teil durch Losverfahren zugelassen. Die Kosten dieses Wettbewerbs, der bis November 2018 abgeschlossen sein soll, betragen insgesamt zirka 100.000 Euro abzüglich Fördermittel aus dem Sanierungsgebiet. Zur Eröffnung von Seeländer Ende 2019 soll auch der Umbau der Seestraße abgeschlossen sein. „Die geplanten Bauabläufe der drei Maßnahmen Seeländer, Aischbachfreilegung und Seestraße werden derzeit miteinander abgestimmt“, ergänzt Meigel.
 
Zwei weitere Verfahren wären im Rahmen einer europaweiten Vergabe des Projekts möglich: Eine „klassische“ Mehrfachbeauftragung mit weniger Teilnehmern, die jedoch deutlich teurer kommen würde. Oder eine direkte Vergabe ohne Wettbewerb und ohne Ideenvorschläge. Gestalterische und qualitative Aspekte fallen bei diesem Auswahlverfahren unter den Tisch. Aufgrund der Wichtigkeit für die Innenstadtentwicklung rät das Baudezernat deshalb von dieser Variante ab.

Empfehlungen der Verkehrsplaner
Technische Grundlage für den Planungswettbewerb werden die Verkehrsuntersuchung des Aalener Büros brenner BERNARD und dessen Empfehlungen sein. Das Ingenieurbüro hatte 2015 den Verkehr in der Seestraße unter die Lupe genommen und diese Ergebnisse nun überarbeitet. Die Experten schlagen für den Knotenpunkt Stadthallenstraße eine Kreuzung mit Ampelregelung vor, analog zur Kreuzung an der Benzstraße. Eine solche Verkehrsführung habe — im Gegensatz zu einem Kreisverkehr — weniger Rückstau zur Folge, da der Verkehr optimal gesteuert werden könne. Auch ist die Einrichtung eines Kreisverkehrs immer dann problematisch, wenn ein Großteil des Verkehrs nur in eine Hauptrichtung fährt, wie im vorliegenden Fall entlang der Seestraße zwischen der Benzstraße und dem Reinhold-Schick-Platz.

Außerdem empfehlen die Verkehrsplaner einen Fußgängerüberweg zwischen Hirschgasse und Seeländerplatz mit einer breiten Mittelinsel, ohne Zebrastreifen und ohne Fußgängerampel. Bei einer Mittelinsel könnten Fußgänger Lücken im Verkehrsfluss nutzen und müssten nicht — wie jetzt — zwei Fahrbahnen bei der Querung beachten. Dazu solle der Bereich hochwertig und platzähnlich umgestaltet werden, um den Autofahrern zu zeigen, hier hat der Fußgänger Vorrang. Zudem seien für die Erschließung ausreichend Rad- und Fußwege in alle Richtungen wichtig, so das Büro brenner BERNARD. Als Verbindung zum Areal Aischbach wird eine spätere Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung vorgeschlagen. Für den Öffentlichen Nahverkehr sehen die Planer zwei Bushaltestellen direkt südlich der Hirschgasse an beiden Seiten vor.

TA und GR beraten im Dezember
Am 12. Dezember berät der Technische Ausschuss über den Umbau der Seestraße. Die Beschlussfassung im Gemeinderat steht am 19. Dezember auf der Tagesordnung. Der Beschluss sieht vor: Kenntnisnahme der Verkehrsuntersuchung und Planung des Umbaus der Seestraße auf dieser Grundlage. Außerdem soll die STEG Stadtentwicklung GmbH den Auftrag zur Vorbereitung und Betreuung des Gestaltungswettbewerbs erhalten.


Seeländer-Neubauprojekt
Inhaltlich eng verknüpft mit dem Umbau der Seestraße ist die Seeländer-Bebauung als Impulsprojekt für die innerstädtische Entwicklung Herrenbergs.
Nachdem der endgültige Entwurf der Architekten im Juni vom Gemeinderat verabschiedet worden war, hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen auf Grundlage der Pläne einen Bebauungsplanentwurf ausgearbeitet. Dieser soll dem Gemeinderat am 19. Dezember zur Beschlussfassung vorgelegt werden.
Sobald die Politik dem Entwurf zugestimmt hat, werden die Öffentlichkeit und die beteiligten Behörden ein zweites Mal in den Planungsprozess einbezogen. Zum Abschluss dieser Phase prüft die Verwaltung alle Stellungnahmen und bereitet den Satzungsbeschluss vor.
Der Beschluss des Bebauungsplans als Satzung, die Baugenehmigung und damit auch der Baubeginn sollen im ersten Halbjahr 2018 folgen.